"Fünf Fragen an Zauner"
Sie bringen nach "Hiob", "Ruth" und "Abraham im ägyptischen Exil" als nächstes "König David" auf die Bühne, verfolgen Sie mit dieser Reihenfolge eine bestimmte Absicht?
Nein. "Hiob" ist eine Sage, die in die Bibel als exemplarisches Gleichnis einer unbedingten Gottestreue eingeführt worden war. Es handelt sich dabei um keine historische Figur. Bei der Moabiterin Ruth, die mit Boas ein neues Geschlecht begründet, gibt es allerdings schon einen Bezug hin zu David. Grundsätzlich aber geht es mir nicht um Chronologie, die Stücke stehen jedes für sich.
Wie reagiert das Publikum auf die Darstellung alttestamentarischer Themen?
Die Menschen sind sehr interessiert und offen. Im Allgemeinen ist man ja auf der Bühne eher die Behandlung griechischer und römischer Mythen oder germanischer Sagen rund um die Nibelungen und die Gralserzählungen zu sehen gewohnt. Die biblischen Erzählungen sind dagegen weniger bekannt. Allerdings erleben wir, dass unsere Besucher zunehmend vorbereitet kommen, dass sie selber nachlesen und gerne über die Schwerpunkte meiner Interpretation diskutieren.
Von Ihnen stammen ja auch viele andere Dramen wie "Der Vergessene" oder Romane wie "Das Ende der Ewigkeit". Auf der Rainbacher Bühne dürfen jedoch nur die Bibelstücke zur Aufführung kommen: Warum diese Reduzierung?
Unsere Wurzeln liegen nicht bei Zeus oder Wotan. Alles, was in den zweitausend Jahren abendländischer Geschichte im Guten wie im Bösen, an Großartigem wie an Fehlerhaftem passiert ist, hat seinen Ursprung in jenem Gedankengut, das uns in der Bibel überliefert wird. Unsere Zuschauer werden unaufdringlich daran erinnert, dass die Wurzeln unserer Kultur weit über die zweitausend Jahre nach Christi Geburt hinausreichen.
Sie haben Ihr Theaterprojekt in einem Dorf angesiedelt, das nur schwer auf der Landkarte zu finden und mit öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt nicht zu erreichen ist, wäre es nicht vernünftiger gewesen, einen bekannteren, zentraleren Ort zu wählen?
Das stimmt sicher. Nur Rainbach ist mein Geburtsort. Im Jahr 1965, sobald es möglich war, als freier Schriftsteller zu leben, habe ich mich mit meiner Familie hier niedergelassen. Hier habe ich die Ruhe gefunden, meinen persönlichen literarischen Stil zu entwickeln, und hier finde ich auch viele aufgeschlossene Menschen, die sich für die Spiele engagieren und sie mit Rat und Tat unterstützen. Aber lassen Sie mich noch einen Gedanken anfügen: Jene Ideen, die einen fundamentalen Zeitenwandel einleiteten, wurden nicht in den damaligen Weltreichen Ägypten oder Rom geboren, sondern haben ihren Ausgang von unbeachteten, vergessenen Winkeln Vorderasiens genommen.
Die Rainbacher Evangelienspiele gibt es seit 2004, inzwischen sind acht verschiedene Werke aufgeführt worden. Was reizt Sie so sehr an den biblischen Helden?
Das Schöne und Faszinierende für mich ist, dass die biblischen Helden gar keine Helden sind, sondern durchwegs gebrochene, problematische Figuren, behaftet mit allen erdenklichen menschlichen Schwächen. Abraham verlangte von seiner Frau Sara, sich als seine Schwester auszugeben, damit er mit seinem Volk überleben konnte. David, der poetische Hirtenknabe, führte als König ein Leben, das keineswegs vorbildhaft war. Und schließlich verhielt sich ja selbst Jesus zum Leidwesen seiner Apostel keineswegs heldenhaft. Er schwitzte Blut und wurde nicht als glorreicher Sieger, sondern als erniedrigter Gekreuzigter zum Leitbild. Für mich rückt er, rücken die Bibelfiguren durch ihre Schwächen und ihre Mangelhaftigkeit nur noch näher an uns heran, die Heiligen und Helden bleiben Wunschbilder, denen man als gewöhnlicher Sterblicher kaum nacheifern kann.
Karl Odorizzi
Notizen eines der profiliertesten Architekten Oberösterreichs:
Der karge Scheunenraum und die Ausformung und Einbindung der Bühne haben Akteure und Zuseher zu einer Einheit gebracht. Ich hatte das Gefühl ‚Mitwirkender' zu sein. Der ‚Über-gag' war dann noch die Öffnung, die Erweiterung der Bühne und des Raumes ins ‚Unendliche'. Ein Raumerlebnis das mir als Architekt selten gelungen ist."